Richard Decker

Richard Decker

Master of Jazz (Piano)

Wir alle, die ihn gekannt und geschätzt haben als Mensch und Musiker sind voller Trauer. Er gehörte zu den „Urgesteinen“ der Luzerner Musikszene. Geboren wurde er 1943 in Polen, früh erkannte man seine aussergewöhnliche Begabung und früh begann er seine musikalische Laufbahn. Noch als junger Mann konnte er sich im Westen etablieren und fand dann bald den Weg in die Schweiz. Wo er sich bald einen Namen machte als überall gefragter und geschätzter Pianist. Viele Jahre wirkte er hier als Freelancer in der Unterhaltungs-Branche, als Solist und Begleiter. 1996 übernahm Fritz Erni die Direktion des bis dato ziemlich ruhigen und wenig bekannten Hotels Montana und weckte es aus seinem „Dornröschenschlaf“. Umsichtig, voller Initiative und Elan machte er Richard Decker sogleich zum ständigen Hauspianisten und Verantwortlichen in Sachen Musik. Das zu einer Zeit als andere vier- und fünf-Sterne-Häuser in Luzern und der gesamten Schweiz glaubten sparen zu müssen und ihre Saison-Pianisten kurzer Hand entliessen. Fritz Erni hatte Recht mit dieser Entscheidung. Binnen kurzer Zeit entwickelte sich das Montana zu einem Treffpunkt der Musikfreunde. Nicht nur die Jam-Sessions mit traditional-Jazz am Donnerstag, auch die zahlreichen regelmässigen Freitagsevents sowie die weithin bekannte alljährliche „Piano-Explosion“ zog die Musikfreunde aus der Region – ja, aus der ganzen Schweiz – an. Über 16 Jahre füllte Richard Decker diesen Posten. Uns so kannten wir ihn alle: kraftvoll sass er an seinem Flügel, leitete feinfühlig seine Mitmusiker und bei aller Konzentration auf die Musik vergass er doch nie den Kontakt zum Publikum. Er war ein universeller Musiker. Nicht nur in seiner Domäne „Jazz“ war er glänzend. Er kannte darüber hinaus das ganze Repertoire der „leichten Musik“, Melodien aus Operetten, Musical und Film dazu viel „Klassik“ und natürlich Folklore aus allen Herrenländern – selten blieb ein Musikwunsch unerfüllt… Und war ein italienischer Tenor zu Gast und wünschte eine Opern-Arie oder eine neapolitanische Canzone dem erwartungsvollen Publikum darzubieten – Richard begleitete in meisterhaft und stilgerecht auch in der ausgefallensten Tonart… Er hatte ein unglaubliches Ohr und ein aussergewöhnliches Gedächtnis. Welch ein Vergnügen auch für mich persönlich ihn als Begleiter zu haben in den Wiener Geigenstücken, in den Salon-Musik-Perlen und den rassigen Zigeuner-Tänzen. Da hörte man ein volles Orchester! Aus den Tasten tönten das Cymbalum, Flöten und Klarinetten, Harfen und Geigen… Nun ist er nicht mehr mit uns, ist davon gegangen. Die böse Krankheit, die ihn seit gut einem Jahr quälte, war stärker als alle Kunst der Medizin. Er war vielen von uns Musikern nicht nur ein lieber, geselliger und stets hilfsbereiten Kollege und Freund, er war vielen von uns auch Lehrmeister und engagierter Förderer. Wir werden das Feuer seiner Fackel weitertragen in Dankbarkeit.

Luzern, 2. November 2014 Martin Schaefer, Freund und Musiker